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Wasser, Berge, Heide - Feldmykologie in der Ruppiner Schweiz – 17.-19. Oktober 2022

Aktualisiert: 7. Jan.

Was für ein tolles und abwechslungsreiches Pilzrevier in der Ruppiner Schweiz. Die Ufer der Seen säumen alte Buchenbestände, die Zechower Heide bringt es mit der höchsten Erhebung immerhin auf 97 m und zu ihren Füßen befinden sich ein Naturschutzgebiet mit Heidefläche und mageren Kiefernwäldern.



Unsere erste Exkursion am Montag verlief am Ufer des Tornower Sees. Alte Buchenstämme mit Stachelbart (Hericium coralloides) und Buchen-Schleimrüblingen (Mucidula mucida) – dazu buntes Herbstlaub, Kraniche auf ihrem Weg gen Süden und auch sonst eine große Artenvielfalt. Der erste Eindruck: Hallimasch, das größte Lebewesen der Erde, auch hier dominant und omnipräsent. In allen Altersstufen und Erscheinungsformen – und so haben wir auch unser Picknick inmitten seiner büscheligen Fruchtkörper verspeist. Ein Fliegenpilz musste seiner roten Huthaut "tortenstückchenweise" hergeben, um den Unterschied zu der Huthaut von Täublingen (Gattung Russula) zu zeigen.



Doch das Naturschutzgebiet hatte noch viele weitere spannende Entdeckungen für uns. Alleine an einer alten Buche haben wir 14 verschiedene Arten entdecken können, die gerade Fruchtkörper gebildet haben – 15 rechnet man den Schleimpilz, die Lohblüte (Fuligo septica) hinzu, die dort gerade ihre Verwandlung zur Sporenreife begonnen hat hinzu:


Ästiger Stachelbart (Hericium coralloides)

Buchen-Schleimrübling (Mucidula mucida)

Hallimasch (Armillaria mellea Agg.)

Zunderschwamm (Fomes fomentarius)

Knotiger Schillerporling (Inonotus nodulosus)

Adernzähling (Plicaturopsis crispa)

Rötliche Kohlenbeere (Hypoxylon fragiforme)

Münzenförmige Kohlenbeere (Biscogniauxia nummularia)

Angebrannter Rauchporling / Rauchgrauer Porling (Bjerkandera adusta)

Lungen-Seitling (Pleurotus pulmonarius)

Austern-Seitling (Pleurotus ostreatus)

Orangeroter Kammpilz (Phlebia radiata)

Schmetterlings-Tramete (Trametes versicolor)

Goldfell-Schüppling (Pholiota aurivella)

Gelbe Lohblüte (Fuligo septica)


Bevor aus diesem dicken Stamm wieder Humus (Erdboden) geworden ist, werden sich noch zahlreiche weitere Pilzarten dort einfinden und nacheinander die Holzbausteine verdauen und verwerten, so dass sie dann von den Pflanzen wieder für ihr Wachstum zur Verfügung stehen. Dieser Prozess wird Jahre dauern. Es gibt zahlreiche Pilzarten, die nur an solch mächtigen Baumriesen gedeihen können – einige davon haben wir gefunden. Es sind Indikatoren, also „Zeigerpilze“ für gesunde und intakte Waldsysteme wie Buchen-Schleimrübling und Schwarzflockige Dachpilze (Pluteus umbrosus). Auch diese Art konnten wir finden, wenn auch an einem anderen Stamm. Unsere Funde (80 Arten) in diesem Gebiet sind beim Naturgucker eingetragen.

Passend zu den vielen Stachelbärten, die wir gefunden haben, gab es eine Verköstigung des Kakaoas und Kaffees mit "Lion`s Mane" angereichert. Das Interview von Andreas Lackmann und uns könnt ihr hier anschauen.


Am nächsten Tag sind wir in die Zechower Heide gefahren. In den mageren Kiefern-Birkenbestände haben uns vor allem die Grünlinge (Tricholoma equestre) und Habichtspilze (Sarcodon squamosus) begeistert. Hier haben wir auch sehr gut die verschiedenen Schmierröhrlinge (Gattung Suillus) vergleichen können. Einige Kuhröhrlinge waren auch frisch genug für den Verzehr, so dass wir das in der Pfanne pink anlaufende Fleisch am Abend kosten konnten. Sie wachen ebenso wie die Sand-Röhrlinge und Butterpilze bei Kiefern, während die Gold-Röhrlinge streng an Lärchen gebunden sind. Unser Picknick haben wir vom Zechower Berg mit Blick auf die Heideflächen gemacht. Ebenfalls bei Kiefern wachsen Edel-Reizker. Sie sind durch ihr orangefarbenes Fleisch, das später grün anläuft und den grubigen Stiel gut gekennzeichnet. Ähnliche, auch bei Kiefern wachsende Arten färben erst weinrot um, bevor sie grün werden. Beeindruckend waren auch die verschiedenen Flechten auf den mageren Böden – eine Symbiose von Algen, Bakterien und Pilzen. Eine Artenliste unserer Funde ist ebenfalls beim Naturgucker eingestellt.



Am Mittwoch sind wir auf etwas basenreichere Böden mit Buchenbestand an den Kalksee gefahren. Auch dort haben wir spannende Arten entdecken können – und es darf natürlich auch kreativ zugehen: so lassen sich mit Rot und Orangemilchenden Helmlingen wunderbar Figuren zeichnen. Hier haben wir auch die dritte und einzige essbare Art der Schwefelköpfe, den Rauch- oder Graublättrigen Schwefelkopf (Hypholoma capnoides) gefunden. Sein Stiel ist beim Auftrennen nicht so neongelbgrün wie der des Grünblättrigen Schwefelkopfes (Hypholoma fasciculare). Neben den zahlreichen Pilzfunden (hier beim Naturgucker eingestellt) wie dem Wurzelnden Schleimrübling (Xerula radicata), den Nannette mitsamt der langen Stielbasis aus dem Substrat bekommen hat, war auch das klare Wasser des Sees beeindruckend.



Nach dem gemeinsamen Mittagessen ist die Hälfte der Gruppe abgereist, während es für die anderen die Prüfung zum/zur Feldmykolog*in anstand – Herzlichen Glückwunsch!



Euch allen, die ihr dabei gewesen seid herzlichen Dank für eure Begeisterung an der gemeinsamen Entdeckung. Annette, du hast uns wunderbare Exkursionsgebiete herausgesucht! Und dank der guten Organisation, der auflockernden „Fungymnastik“, des gemütlichen Feuers samt „Pantherpilzsong“ und Sauna mit Bad im Fließ waren diese Tage eine rundum bereichernde Erfahrung! DANKE sagen Rita und Frank

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